Sonntag, 5. Januar 2014

Desaster Nummer 3 – Die erste Leseprobe

Frohes neues Jahr und alles Gute für 2014!

Am 29. Januar ist es so weit und hier schon einmal die erste Leseprobe:



Thilo beugte sich vor und wollte mich küssen. Erschrocken trat ich einen Schritt nach hinten. Dabei stieß ich gegen Don, der noch immer wie angewurzelt an der gleichen Stelle stand. Seine warmen Hände legten sich auf meine Schultern, um mich zu halten. Ein wohliges Gefühl durchströmte mich; sein Körper hatte sich gerade während des kurzen Kontakts alles andere als schlecht angefühlt.
Mein Ex-Freund riss die Augen auf und konnte scheinbar nicht glauben, dass ich ihm ausgewichen war. Sein Blick fiel auf Dons Hände. Merkwürdig – er hielt mich noch immer fest und machte keine Anstalten, mich loszulassen.
»Veronika, was soll das?«
»Was meinst du?«, fragte ich süßlich nach.
»Du bist meine Freundin«, verkündete Thilo seelenruhig, als hätten wir nicht sechs Monate lang kein einziges Wort miteinander gewechselt. Der Typ hatte wirklich Nerven.
»Nein, das bin ich nicht. Ich bin Single und maximal auf der Suche nach ein wenig Spaß.« Eigentlich hätte es mir leicht fallen müssen, das zu sagen. Trotzdem veranlasste Thilos fassungsloses Mienenspiel mein Gewissen dazu, sich zu melden. Doch es gab keinen Grund, warum ich mich schlecht fühlen musste. Thilo hatte sich alles andere als galant verhalten und ich würde sicherlich nicht zu ihm zurück kriechen.
Bei meinen Worten verkrampften Dons Finger sich für einen kurzen Moment. Erst jetzt fiel mir auf, dass seine Hände noch immer auf meinen Schulter lagen, völlig selbstverständlich. Zu meinem großen Erstaunen war es mir nicht unangenehm. Thilo sah verwirrt zwischen uns hin und her, und schüttelte ungläubig den Kopf.
»Das meinst du doch nicht ernst, Veronika. Baby.« Er klang fast schon weinerlich und ich seufzte leise. Ich wusste schon gar nicht mehr, wie oft ich ihn bereits gebeten hatte, mich einfach nicht »Baby« zu nennen.
Bevor ich jedoch antworten konnte, übernahm Don das für mich: »Um ehrlich zu sein, wollten wir gerade gehen.«
Thilo riss seine Augen weit auf, der Unterkiefer klappte herunter, und obwohl ich selbst von Dons Worten schockiert war, empfand ich eine gewisse Genugtuung. 
Wer hätte gedacht, dass der Frauenheld mir zur Hilfe eilen würde? Und ich hatte mir schon den Kopf darüber zerbrochen, wie ich ihm meinen Vorschlag, mit ihm Sex zu haben, am besten würde unterbreiten können. Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass ich mir die Mühe bei einem solchen Aufreißer getrost sparen konnte.
Fassungslos stand Thilo da und sah zu, wie Don und ich den Raum durchquerten. Egal, wie der Abend jetzt weiter verlaufen würde – einen bleibenden Eindruck auf der Party hatte ich bereits hinterlassen. Nur Maja zwinkerte mir zu, als ich den Raum verließ, alle anderen starrten entsetzt in unsere Richtung.
Don reichte mir meinen Mantel und ich fragte mich flüchtig, woher er wusste, dass es meiner war. Vielleicht hatte er mich gesehen, als ich gekommen war. Er selbst schlüpfte in einen dunklen Parka. 
Zusammen gingen wir nach draußen und der Schnee knirschte unter unseren Sohlen. Wie erwartet folgte Thilo uns nicht – außer Vorwürfen und atemlosen Geplapper war von ihm aber ohnehin nicht viel zu erwarten.
Als ich mich zu Don drehte, bildete mein Atem kleine Wölkchen. Schnell sagte ich: »Danke für die Rettung. Allerdings wollte ich dir nicht die Party vermiesen.«
Er sah auf mich hinunter, was nicht weiter überraschend war, da er mindestens zwei Köpfe größer war als ich. »Für Silvester habe ich ohnehin nicht so viel übrig.«
Ich nickte nur und blickte mich um. Es erschien mir wenig verlockend, jetzt schon ins Hostel zurückzukehren. Selbst wenn ich Schlaf finden würde, um Mitternacht würde mich das Silvesterfeuerwerk ja doch wecken.
Erstaunt nahm ich zur Kenntnis, dass Don meine Hand nahm und sich in Bewegung setzte. Überrascht stolperte ich hinter ihm her. »Wohin gehen wir?« Vor Aufregung schlug mein Herz ziemlich schnell, und ich fürchtete mich ein wenig vor der Antwort.
»Da vorne ist ein Burger King. Du kannst dich für deine Rettung bedanken, indem du mir erzählst, was es mit der Generalüberholung auf sich hat.«
Hinter seinem Rücken verzog ich das Gesicht, als hätte ich Zahnschmerzen. »Können wir nicht lieber zu dir gehen?«
Meine Frage schien ihn irgendwie zu verwirren, und er blieb stehen. »Das halte ich für keine gute Idee.« So knapp, wie er das hervorstieß, hätte er mir auch gleich sagen können, dass er mich hässlich fand. 
Gleichzeitig versuchte ich mich damit zu trösten, dass nun einmal nicht jeder Mann auf kurze Haare, Tattoos und Piercings stand – so viel zu meinem aufregenden One-Night-Stand.
Don hielt mir die Tür zu dem Schnellrestaurant auf, während ich immer noch meinen angeknacksten Stolz zu beschwichtigen versuchte. 
Wenigstens war es hier drin warm. Ich rieb meine Hände aneinander und sagte dann: »Ich nehme nur einen Kaffee.«
»Du solltest etwas essen, du bist wirklich furchtbar dünn.« Er betrachtete mich mit zusammengezogenen Augenbrauen.

Autsch. Das wurde ja immer besser.

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