Sonntag, 13. Oktober 2013

Die zweite Nacht

Bald...




Helen Strobel hat mit Männern rein gar nichts am Hut, sie ist mit ihrer Arbeit verheiratet. Als sie jedoch ihren neuen und überaus attraktiven Nachbarn Frederik kennenlernt, stellt sie fasziniert fest, dass ein wenig Abwechslung in ihrem Leben nicht schaden könnte: Sie schlägt ihm ein simples, rein sexuelles Arrangement vor, von dem beide in ihren Augen nur profitieren können. Nach kurzem Zögern stimmt Frederik zu und schon bald kommt Helen der Verdacht, dass ihr Nachbar das Verhältnis zwischen ihnen anders sieht als sie, denn er verbringt entschieden zu viel Zeit in ihrer Wohnung statt in ihrem Bett...

Leseprobe

„Was?“ Wieder starrte ich ihn an und blinzelte langsam.
„Ich will dir helfen.“ Seine blauen Augen funkelten und er kam immer näher.
Atemlos stand ich in meiner Wohnungstür und überlegte, wie ich ihn schleunigst wieder los wurde. Karl war eine Geschichte für sich gewesen – aber einen Mann in meine Wohnung lassen? Ich war doch nicht irre.
„Nicht nötig.“
Er bedachte mit einem seltsamen Blick. „Du bist wirklich merkwürdig.“
Dann tat er etwas, was sich noch nie jemand in meiner Gegenwart getraut hatte: Er ignorierte schlicht meinen Protest, legte die Hand auf meinen Rücken und schob mich in meine Wohnung. Das Flattern in meinem Bauch, als seine Finger meine nackte Haut berührten, versuchte ich auszublenden.
Schnell trat ich einen Schritt nach vorne und unterbrach somit den Kontakt. Ich schaltete das Licht im Wohnzimmer ein und betätigte den kleinen Knopf auf der Rückseite des Computers. Mein offensichtlich neuer Nachbar sah sich interessiert um. „Ich bin Frederik.“
Stumm blinzelte ich ihn an und verfluchte meinen Computer, der einfach nicht schnell genug hochfuhr. Obwohl er nur ein paar Sekunden brauchte, war es in diesem Moment viel zu lange.
Frederik kam in seiner sündigen Pyjamahose näher geschlendert und fragte: „Hast du auch einen Namen?“
„Nein.“ Ich setzte mich in meinen Schreibtischstuhl und hoffte, dass er von alleine wieder gehen würde, wenn ich nur unfreundlich genug war. Durfte man meiner Familie glauben, war das ohnehin meine Spezialität. Gut, die Nachbarn, mein Verleger, meine Lektorin und jeder andere, dem ich bisher begegnet bin, sah das sicher genauso. Frederik wäre gleich schneller verschwunden, als ich gucken konnte.
„Bist du immer so charmant?“, wollte er nun wissen und ich stöhnte genervt auf, weil er nicht lockerließ. Ungeduldig öffnete ich das Browserfenster und startete den Anmeldevorgang.
„Nein. Ich war auf einer Hochzeit, bin angetrunken und daher übermäßig gesprächig.“ Dazu verschränkte ich trotzig die Arme und wartete darauf, dass er wütend wurde.
Stattdessen legte er den Kopf in den Nacken und lachte, laut und ehrlich. Ich war schockiert, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. 
Mein Handy klingelte, als ich bereits nach der nächsten Unfreundlichkeit suchte. Ich zuckte zusammen. Elena war im Urlaub, sonst würde mich niemand um diese Zeit anrufen – es konnte also gar nichts Gutes bedeuten.
Ein Blick auf das Display bestätigte meinen Verdacht. Es war schon wieder Mos Bruder Don, der unbedingt mit mir ausgehen wollte. „Scheiße. Scheiße. Scheiße.“
„Du fluchst ziemlich viel.“ Frederiks dunkle Stimme war von Belustigung durchzogen. 


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