Montag, 30. September 2013

Der erste Teaser

Wie versprochen erfolgt hier der erste kleine Einblick in meinen nächsten Roman "Die zweite Nacht". Ich sehe die Geschichte ein wenig als Fortsetzung von "Das erste Date", weil ein paar der Figuren wieder auftauchen, allerdings kann die Story auch für sich alleine stehen.




Seite 1


Als das Taxi hielt, war ich erleichtert. Endlich zuhause! Endlich hatte ich diese beknackte Hochzeit hinter mich gebracht. Es war nicht so, als würde ich mich nicht für meine Schwester freuen. Aber seit sie verkündet hatte, diesen Alptraum in Weiß zu veranstalten, waren Mamas vorwurfsvolle Blicke, weil ich noch Single war, immer schlimmer geworden.
Scheinbar brauchte eine Frau unbedingt einen Penis an ihrer Seite. Jedenfalls befand sich meine Schwester jetzt auf dem Weg in die Flitterwochen und ich hatte wieder meine Ruhe. Nachdem ich den Fahrer bezahlt hatte, stieg ich aus und verzog sofort das Gesicht. Meine Füße brachten mich um. Ich war es ohnehin schon nicht gewohnt, auf hohen Absätzen zu laufen – es den ganzen Tag zu tun, hatte mich fast umgebracht. 
Die frische Nachtluft erwischte mich wie mit einem Hammer und erinnerte mich daran, dass ich das letzte Glas Champagner lieber unauffällig in eine der Blumen hätte kippen sollen, wie Mo,  die Freundin meines Bruders, es getan hatte. Das war aber leichter gesagt als getan, wenn man unablässig von den eigenen Eltern beobachtet wurde, die fleißig nach einem Bräutigam für mich Ausschau hielten.
Mein Bruder Daniel, der alte Verräter, hatte es irgendwie geschafft, Mo um den Finger zu wickeln und jetzt war ich der letzte Single der Familie. Wundervolle Aussichten für die nächsten Familientreffen – schon allein, weil niemand akzeptieren wollte, dass ich einen Mann in meinem Leben ungefähr so dringend brauchte wie eine Blasenentzündung. Für den Moment reichte meine Arbeit mir voll und ganz.
Genau zwei Schritte schaffte ich in Richtung Haustür, bevor ich dachte, vor Schmerzen sterben zu müssen. Kurzerhand schlüpfte ich aus den Schuhen. Als ich mich bückte, um sie aufzuheben, bohrte sich erneut der verdammte Bügel des trägerlosen BHs in meine Rippen. Elena hatte mir dieses blöde Ding aufgenötigt. Bevor ich in meiner Wohnung angekommen wäre, würde das Ding mir den Lungenflügel perforieren. Oh, das war eine gute Idee für einen ungewöhnlichen Mord.
Schnell wühlte ich in meiner Handtasche und zog mein Handy hervor. Ich liebte mein Smartphone heiß und innig – nur nicht, um mit anderen Menschen zu kommunizieren. SMS schreiben? Lieber würde ich mir selbst den kleinen Zeh abnagen. Aber Notizen für Bücher und Recherchen unterwegs? Dafür war das Ding Gold wert.
Meine Finger flogen über die Tasten, bevor ich es zufrieden wieder in meine kleine Tasche quetschte. Ich sehnte mich zutiefst nach meiner Couch, der Jogginghose und konnte es kaum erwarten, mich aus dieser hübschen, aber unbequemen Unterwäsche zu befreien.

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