Sonntag, 18. November 2012

In 36 Tagen ist Weihnachten

Noch immer nicht in weihnachtlicher Stimmung?


In vier Kurzgeschichten geben Aurora Estella Alvarez und ich unser Bestes, um das zu ändern! Die kurzweiligen, unterhaltsamen Geschichten erzählen wir Begebenheiten, die zur Weihnachtszeit spielen und die richtige Atmosphäre bieten, um endlich selbst Lust auf Weihnachten zu bekommen.
Egal, ob Engel erscheinen, der Nikolaus die Rute mitbringt oder die Bescherung dieses Jahr anders ausfällt als erwartet – hier bleibt kein Weihnachtswunsch unerfüllt.

21.400 Wörter für 2,99 Euro gibt es hier (amazon) oder hier (beam). 

Leseprobe aus "Verfrühte Bescherung"

Sie hob das Geschenk höher und schüttelte noch einmal, diesmal dichter an ihrem Ohr.
„Was tust du da?“
Erschrocken fuhr sie zusammen, der Karton glitt aus ihrer Hand und fiel auf den Teppich. Sie sah schuldbewusst über die Schulter und spürte, wie die verlegene Röte sich über ihrem Gesicht ausbreitete.
Marlon stand in der Tür zum Wohnzimmer, die Hände in die Taille gestemmt, mit einem grimmigen Zug um den Mund.
„Es tut mir leid. Ich habe es aus Versehen gefunden“, stammelte Vanessa und sah nach unten.
„Aus Versehen?“, wiederholte er ungläubig und kam langsam näher. Vanessa sah ihn von unten durch ihre langen Wimpern an und gab sich zerknirscht. Sie hoffte, dass ihr unschuldiger Blick ihn besänftigen würde, sie wollte keinen Streit an diesem Abend – nicht, nachdem sie schon so lange auf ihn gewartet hatte. Gleichzeitig wusste sie, dass er ihr nie lange böse sein konnte.
Vorsichtig sah sie ihn an und bemerkte, dass er noch die Hälfte seines Kostüms trug – die Hose und die schweren Stiefel, um genau zu sein; den künstlichen Bart und die dicke, flauschige Jacke hatte er bereits ausgezogen. 
Sie bewunderte seinen breiten Brustkorb unter dem T-Shirt und überlegte, ob sie ihn vielleicht einfach vor dem Kamin vernaschen sollte – das würde ihn doch sicher besänftigen und ihr kleines Vergehen vergessen lassen. Sie zog einen Schmollmund und ging ihm nun langsam entgegen. Die plüschige, rote Hose lud geradezu ein, die Hand auszustrecken.
Bei ihm angekommen legte sie eine Hand auf seinen Brustkorb und sagte leise: „Es tut mir wirklich, wirklich leid. Kann ich es vielleicht irgendwie wieder gut machen?“
Sie hoffte, dass ihre Stimme auch verheißungsvoll klang und klimperte mit den Lidern. Seine Kiefermuskeln waren noch immer angespannt und der Fünf-Uhr-Bartschatten ließ ihn noch männlicher wirken.
„So einfach kommst du diesmal nicht davon“, raunte Marlon und legte seine Hand auf ihre.
Vanessa sah ihn erstaunt an und registrierte zum ersten Mal das seltsame Glitzern in seinen Augen. „Wie meinst du das?“ Sie leckte sich mit der Zungenspitze über ihre Lippen, die ihr auf einmal so merkwürdig trocken erschienen.
Zu ihrem Erstaunen packte Marlon ihren Oberarm und zog sie mit sich zum Sofa. Mit einer achtlosen Bewegung schob er den Wohnzimmertisch zur Seite und setzte sich auf das weiche Polster. Ihren Arm hielt er dabei fest umklammert und sie spürte, wie ihr Herzschlag sich deutlich beschleunigte. So fest hatte er sie noch nie angefasst und zu ihrer eigenen Überraschung gefiel es ihr. 





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.