Dienstag, 11. September 2012

Mal hart, mal zart

Ich mache mir schon länger Gedanken um einen Themenkomplex, den ich hier gerne anreißen würde.

Ich lese öfter Rezensionen im Netz, natürlich auch auf amazon und bekomme selbst welche für meine Geschichten. Ich bin immer irritiert darüber, wie Leute auf Schlagwörter reagieren. Vor allem sobald es in Richtung BDSM geht.

Wenn ich das Schlagwort "BDSM" benutze, um meine Geschichten zu kennzeichnen oder näher zu beschreiben, dann bedeutet das für mich nicht, dass ich die "Geschichte der O." neu aufgelegt habe oder die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, es bedeutet einfach, dass in der Geschichte BDSM-Elemente vorkommen.
Ich erhebe nicht den Anspruch perverser zu sein als alle Anderen oder die Peitsche extremer zu schwingen. Es dient lediglich den Lesern zur Einordnung. 

Ich möchte nicht, dass eine Leserin, die romantische Gefühle und eine sinnliche Liebesgeschichte erwartet, auf halber Strecke einen Schock erleidet, weil der Protagonist die Peitsche oder gar Schlimmeres herausholt.

Klar, wir sind alle aufgeschlossen und in Zeiten von "Shades of Grey" hat offenbar jeder eine Gerte im Schrank und das Andreaskreuz an der Wand. Aber ich möchte meine Leser trotzdem wählen lassen, ob sie eher Gefühle – wie in "Das Wiedersehen" – oder eher harten Sex – wie in "James erzählt – Lady Elisa" – lesen möchten.

Deswegen finde ich es merkwürdig, wie oft man in Rezensionen von mit "BDSM"-Schlagwort versehenen Geschichten liest, dass das ja alles nur wischiwaschi und überspitzt formuliert nicht hart und pervers genug sei.

Da bin ich letztens auf ein schönes Interview mit Matthias Grimme gestoßen, der das sehr schön in einem Interview über "Shades of Grey" auf den Punkt gebracht hat:

Die Einstufung des Buches als SM-Literatur wird von vielen in der Szene belächelt, aber Phantasien gehören in keine Schublade. Dieses "das ist kein richtiger SM" zeigt die deutsche Kleingarten-Mentalität. In den großen internationalen Foren gibt es solche Diskussionen nicht. Nur in Deutschland wollen manche immer etwas Besseres sein: "Ich bin richtig pervers und ihr nicht."

Das ganze Interview findet Ihr hier.

Ich gebe mir Mühe, meine Geschichten mit den richtigen Labels zu versehen, damit im Grunde jeder weiß, was er bekommt. Das ist alles, was dahinter steckt. BDSM bedeutet für mich, dass in der Geschichte deutliche Elemente vorhanden sind und nicht nur, dass die Geschichte sich dann besser verkauft. Andersherum muss die Hauptfigur auch nicht zwei Stunden als Päckchen verschnürt im Latexsack von der Decke baumeln, damit es für mich "genug" BDSM ist, um die Geschichte so nennen zu dürfen. Jedem das Seine!

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