Samstag, 4. August 2012

Kopfkino


Fluchend ließ ich die schwere Tür hinter mir zufallen. Was für ein beschissener Sommer war das eigentlich? Ich schüttelte meinen Kopf und die Tropfen flogen in alle Richtungen.
Die Bibliothekarin warf mir einen bösen Blick zu und ich zog verlegen den Kopf ein. An den Schließfächern angekommen, warf ich einen Blick nach draußen. Es schüttete, der Himmel war schwarz und kaum jemand war unterwegs. Ich seufzte.
Gern wäre ich auch liegengeblieben – aber Abgabetermin war Abgabetermin.
Im zweiten Stock fühlte ich mich noch einsamer, unterwegs war mir schon kaum jemand begegnet und hier schien ich allein zu sein. Wer ging bei so einem Wetter auch vor die Tür?
Eine Weile arbeitete ich, konnte mich aber nur schwer konzentrieren. Ich schob meinen Stuhl zurück und ging durch die langen Regalreihen. Ich legte die Hand auf einen der schweren Buchrücken und plötzlich prickelte meine Kopfhaut. Ich wandte meinen Kopf und sah einen sehr attraktiven Mann am Ende der Reihen stehen, die Arme voller Bücher. Er lächelte mich an und ich merkte, dass sich auch auf meinem Gesicht ein Lächeln ausbreitete. 
Schnell sah ich wieder auf die Bücher vor mir und sagte mir in Gedanken, dass ich mich besser nicht von meiner Arbeit ablenken lassen sollte. Als ich wieder nach rechts sah – weil ich natürlich nicht widerstehen konnte – war er verschwunden.
Ich nahm das Buch und setzte mich wieder an meinen Arbeitsplatz. Da tauchte er auf, den Korb voller Bücher in der einen Hand, den Laptop auf dem anderen Arm und fragte mit einer Stimme, die meine Knie weich machte, ob er sich setzen dürfte.
„Ich kam mir da drüben in meiner Ecke schon ganz einsam vor.“
Ich musste den Blick senken, ich hatte das Gefühl meine Wangen brannten, denn am liebsten hätte ich entgegnet: „Mit dieser Stimme darfst du dich gern setzen und später unseren Kindern Gute-Nacht-Geschichten vorlesen.“
Wieder schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass wir vermutlich allein in dem Stockwerk waren und der Tisch, an dem wir saßen, wurde zusätzlich durch Regale und Säulen verdeckt. Wie gern hätte ich jetzt einfach – wie im Film – den Tisch leergefegt, mich zu ihm hinüber gebeugt, sein T-Shirt gepackt und ich ihn an mich herangezogen – nur um meine Lippen auf seine zu pressen. Wie seine sexy Stimme wohl klang, wenn er erregt war oder gar stöhnte?
Er sah mich an, eine Augenbraue fragend hochgezogen. Eine leichte Röte überzog mein Gesicht und ich fragte: „Entschuldige, was hast du gesagt?“
„Gefragt, worüber du schreibst.“
„Ach, langweiligen Kram. Proteinmoleküle, Zellkerne und Fluoreszenzmikroskopie. Und du?“ Gerade noch war es mir geistesgegenwärtig eingefallen, den Smalltalk zu erwidern. Ich war einfach schlecht in solchen sozialen Situationen. Viel besser wäre ich darin, ihm das Shirt abzustreifen, seine Hose zu öffnen und meinen Mund über–
Moment, was hatte er gerade gesagt? Ich starrte ihn an und leckte mit meiner Zungenspitze nervös über die Unterlippe.
„Sexualität und Moral in der gelangweilten Gesellschaft.“ 
So lautete seine Antwort und er hatte genau verfolgt, wie ich reagiert hatte und seine Augen funkelten. Eine unausgesprochene Einladung lag darin. Ich schluckte schwer, bildete ich es mir nur ein oder arbeitete seine Fantasie genauso wie meine?
Noch bevor ich mich entscheiden konnte, was ich tun wollte, stand er auf und kam um den Tisch herum. Lässig schlenderte er auf mich zu und stützte sich mit den Händen am Tisch ab, sah scheinbar interessiert auf meinen Computerbildschirm. Er roch auch noch wahnsinnig gut. Irgendwie würzig und fruchtig, mit einem Hauch von Ambra. Ich schloss die Augen und ließ mich in meinen Stuhl sinken und noch bevor ich wusste, was geschah, spürte ich seine weichen Lippen auf meinen. 
Meine Hand grub sich in sein Shirt und wie ich mir bereits vorgestellt hatte, zog ich ihn näher zu mir. Er hob mich aus dem Stuhl hoch und ohne den Kuss zu unterbrechen, seine Zunge war bereits gierig zwischen meine Lippen geglitten, drückte er mich mit dem Po gegen den Tisch. Ich setzte mich auf den Tisch und spreizte meine Beine, schlang sie um seine Hüften. Die Hitze zwischen uns war überwältigend.  Seine Hände legte sich auf meinen Rücken, streichelten mich zuerst durch den Stoff, dann glitten seine Hände darunter. Ich erschauerte und meine Finger suchten...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.