Donnerstag, 19. Juli 2012

Kopfkino


Der Nachtwächter

Um 4 Uhr morgens fange ich an zu arbeiten. Ich kann es selbst nicht glauben, dass ich zu dieser unwirtlichen Zeit unterwegs bin. Grauenvoll.
Ich stehe vor der schweren Sicherheitstür und trete von einem Fuss auf den anderen. Es ist kalt und ich kann meinen Atem deutlich sehen. 
Miriam hat den Schlüssel und scheinbar schon wieder verschlafen. Kunststück, es ist nicht wirklich schwer, um drei Uhr morgens den Wecker zu überhören, wenn draußen nur Arbeit und Minusgrade auf einen warten.
Plötzlich schwingt die Tür nach innen auf und im hellen Lichtschein steht der Nachtwächter. Er grinst mich an und bedeutet mir einzutreten. Erleichtert flüchte ich ins Warme. Er schließt die Tür hinter mir ab und ich folge ihm zu seinem Aufenthaltsraum.
„Wo ist denn deine freche, kleine Kollegin?“
Seufzend lasse ich den Kopf hängen. Jeder steht auf Miriam. Sie ist klein, vorlaut und hübsch. Die Sicherheitsmänner und Lieferanten fressen ihr aus der Hand – der Chef sowieso. 
„Ich hoffe, sie kommt gleich. Ich habe heute nämlich keinen Schlüssel.“
Ich verkneife mir, noch hinzuzufügen, dass ich schon verstehen kann, dass er lieber mit Miriam eingeschlossen wäre als mit mir.
„Na ja. Komm, wir trinken erst einmal einen heißen Kaffee.“
Dankbar nicke ich und folge ihm durch die Gänge. Unsere Schritte hallen beinah gespenstisch nach. Merkwürdig, wie anders hier alles klingt, wenn Miriams Plappern die Stille nicht stört. 
Er hält mir wieder die Tür auf und ich schlüpfe in den großen Raum mit den vielen Monitoren. Neugierig sehe ich mich um, während ich mich von dem dicken Schal befreie. Hier war ich noch nie. 
Auf einem der Monitore sehe ich die breite Eingangstür – er hat mich also dort stehen sehen und ist dann extra gekommen, um mich hereinzulassen.
Ich werfe meine dicke Jacke, den Schal und die Handschuhe auf die Couch und nehme die Tasse Kaffee. Er ist heiß, stark und belebend.
Langsam taut mein Gehirn auf, ich fummel mein Handy aus der Hosentasche und rufe Miriam an. Beim sechsten Klingeln meldet sie sich sehr verschlafen und mir wird klar, dass ich sie gerade geweckt habe. Sofort ärgere ich mich, dass ich sie nicht schon früher angerufen habe. Aber allein bei dem Gedanken draußen in der Kälte die Handschuhe auszuziehen, werden meine Finger taub.
Sie verspricht mir sich zu beeilen, macht mir aber keine falschen Hoffnungen. Es wird knapp eine Stunde dauern bis sie hier ist.
„Na toll, eine Stunde muss ich jetzt totschlagen.“
Ich betrachte noch immer fasziniert die vielen Monitore. So viele Winkel des Gebäudes, die ich noch nie gesehen habe.
„Hm, eine Stunde?“
„Ja, mindestens.“
„Wann kommt bei euch denn der Nächste, der einen Schlüssel hat?“
„Nicht vor sieben.“
„Eine Stunde also mindestens?“
Ich will mich gerade umdrehen und ihn fragen, ob er vielleicht auch noch eine Mütze Schlaf vertragen könnte, doch bei dem Ton in seiner Stimme beginnt meine Kopfhaut zu prickeln. Ich beiße mir auf die Unterlippe und überlege, was ich jetzt sagen soll.
„Eine ganze Stunde, vollkommen allein hier im Gebäude – mit mir...“
Er bricht ab und der Satz scheint in flimmernden Buchstaben vor meinen Augen im Raum zu stehen. Mein Puls beschleunigt sich und mein Hals fühlt sich eng an. Ich schlucke schwer, dann drehe ich mich langsam um. 
Der Nachtwächter sieht mich an, sein Blick ist dunkel und voller Lust. Er kommt auf mich zu und mir wird plötzlich heiß. Vorsichtig legt er die Hände auf meine Hüften, zieht mich zu sich heran und beugt sich vor.
Ich erwidere seinen Kuss und bin erstaunt, dass er scheinbar auf mich steht. Ich hätte gewettet, dass er die kleine, süße Miriam bevorzugt.
Doch die Leidenschaft seines Kusses, seine Hände, die auf Wanderschaft gehen und der harte Schwanz, den ich deutlich zwischen uns spüre, sagen etwas anderes.
Ich presse mich dicht an ihn heran, spiele mit seiner Zunge, lege die Arme um seinen Nacken. Er ist groß und trainiert, wie es sich für einen Mann vom Sicherheitsdienst gehört. Völlig mühelos hebt er mich hoch und ich schlinge die Beine eng um seine Taille. Seine Hände wandern unter mein T-Shirt und mir wird bewusst, dass das hier gerade tatsächlich passiert.


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